{"id":27,"date":"2008-05-14T21:26:36","date_gmt":"2008-05-14T19:26:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fahrnerandfahrner.com\/?page_id=27"},"modified":"2019-03-23T22:36:32","modified_gmt":"2019-03-23T20:36:32","slug":"zweite-enzyklopadie-von-tlon","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.fahrnerandfahrner.com\/?page_id=27","title":{"rendered":"Zweite Enzyklop\u00e4die von Tl\u00f6n"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Wenn unsere Prognosen nicht irren, wird in hundert Jahren\u00a0jemand die hundert B\u00e4nde der Zweiten Enzyklop\u00e4die von Tl\u00f6n entdecken&#8221;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Mit dieser so geheimnisvollen Prognose im Nachtrag zu seiner Erz\u00e4hlung Uqbar, Orbis Tertius aus dem Jahr 1947 hat Jorge Luis Borges die Buchk\u00fcnstlerin Barbara Fahrner inspiriert, ihre Lesart des angek\u00fcndigten Sammelwerks jetzt schon zu verwirklichen. Die Geschichte handelt unter anderem von der Utopie, Lebensverh\u00e4ltnisse spiegeln und in einer umfassenden Weise nachlesbar dokumentieren zu k\u00f6nnen<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Diesem Gedanken geht das Projekt nach, das Barbara Fahrner, zusammen mit ihrem Sohn Markus und dessen Frau Fitnat Fahrner und anderen Gastautoren \u00fcber f\u00fcnf Jahre hinweg bearbeitet hat. In f\u00fcnf Ordnern werden zu Stichworten in alphabetischer Reihenfolge mehr und weniger evidente Sachverhalte erfasst, \u00dcbersetzt in eine Sprache des Wort-Bild-Gef\u00fcges wie sie speziell avancierter Buchkunst unserer Zeit selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span lang=\"DE\">Schon fr\u00fch in der Buchgeschichte schl\u00e4gt sich der Wunsch des Menschen nieder, das, was er wei\u00df in Buchform zusammenzutragen, es zu strukturieren und in seiner Bedeutung zu profilieren. Derartige \u00c3\u0153bersichten von Wissensgebieten firmieren unter dem Begriff Enzyklop\u00e4die, gest\u00fctzt auf das griechische ,,Enzyklos paideia&#8221;, Bildung im Kreis angeordnet und zusammengefasst. Antike Fr\u00fchformen schufen der Platon-Sch\u00fcler Speusippos, gefolgt von der,,Historia Naturalis&#8221; des Plinius. Es sind bestimmte Sachgebiete, die den Themenkreis von Enzyklop\u00e4dien der fr\u00fchen Zeit pr\u00c3\u00a4gen So entstanden im Mittelalter sprachbezogene, erbauliche und allegorische Sammlungen und Thomas von Aquins,,Summa theologica&#8221; macht den Anspruch deutlich, dem religi\u00f6sen Blickwinkel auf die Dinge Vorrang einzur\u00c3\u00a4umen. Bahnbrechend war die 1751-80 unter Denis Diderot entstandene Encyklop\u00e4die ou dictionaire raisonne des sciences, des arts et des metiers pour une societe de gens de lettres&#8221;. In diesem Gro\u00dfwerk aufkl\u00e4rerischen Geistes wurde endg\u00fcltig der philosophisch profanen Betrachtung der Kompetenzvorrang zur enzyklop\u00e4dischen \u00dcberschau der Welt einger\u00e4umt und dabei ein besonderes Gewicht auf die Abhandlung der Technik gelegt.<\/span><\/p>\n<p class=\"OmniPage1\">So instruktiv waren die Illustrationen der direkt in die Werkst\u00e4tten geschickten Zeichner, dass etwa Goethe befand,\u00a0wenn wir einen Band ihres ungeheuren Werks aufschlugen, so war es uns zumute, als wenn man zwischen den unz\u00e4hligen bewegten Spulen und Weberst\u00fchlen einer gro\u00dfen Fabrik hingeht&#8230;&#8221;<\/p>\n<p class=\"OmniPage1\">Wie Goethe mit Blick auf die Enzyklop\u00e4die Diderots einen Zusammenhang zwischen dem Makrokosmos des Erlebens und dem Mikrokosmos des im Buch zu Ermessenden herstellt, so besteht auch in der Geschichte Tl\u00f6n, Uqbar, Orbis tertius von Borges Lebenssph\u00e4re als Vorwurf einer sie fokussierenden Enzyklop\u00e4die. Nur, da\u00df diese so fiktiv ist wie Land und Leben, von dem sie handelt\u00a0ja, dieses selbst wird dem Autor Borges, wie er einleitend ausf\u00fchrt, \u00fcberhaupt erst zug\u00e4nglich mittels einer Enzyklop\u00e4die; und zwar einer angenommenen Sonderausgabe der ihrerseits auf der\u00a0realen\u00a0Encyclopaedia Britannica f\u00fchrenden AngloAmerican Cyclopaedia (New York 1917).<\/p>\n<p class=\"OmniPage1\">Barbara Fahrner:\u00a0Das Enzyklop\u00e4dieprojekt besteht aus f\u00fcnf mit gro\u00dfnem Leinen kaschierten Ordnern mit alphabetischen Registerbl\u00e4ttern. Im Laufe der Jahre, die wir an diesem Projekt arbeiten, werden die B\u00fccher, Graphiken, Karten etc. auf stabilen Kartonstreifen, die gelocht zum Abheften sind, kaschiert, so da\u00df nicht nur eine beliebige Entnahme der einzelnen Beitr\u00e4ge m\u00f6glich ist, sondern dem Besitzer der Enzyklop\u00e4die eine faktisch unbegrenzte M\u00f6glichkeit zur Umgestaltung und Variation an die Hand gegeben ist. Dieses Element unserer Zweiten Enzyklop\u00e4die von Tl\u00f6n ist uns sehr wichtig, da es unser Bestreben ist, das Buch aus seiner traditionellen Linearit\u00e4t zu befreien, um es offener und spannender zu machen. Es wird lange Textbeitr\u00c3\u00a4ge geben, K\u00fcnstlerb\u00fccher, Originalgrafik, Unikate, Multiples und in Auflage Gedrucktes; das alles in einer Gestaltung, die mit den Konventionen bricht, da wo sie das freie, das endlose Buch behindern und damit zu einer Form kommt, bei der der Leser nicht nur passiver Leser sein kann, sondern aktiv mit seiner Enzyklop\u00e4die umgehen kann. Zum Inhalt: Die gro\u00dfen B\u00fccher der Menschheit sowie die alten europ\u00e4ischen M\u00e4rchen\u00a0und Mythensammlungen werden auftauchen, es wird \u00fcber Gott und die Welt gesprochen mit gro\u00dfem Ernst, melancholischer Ironie, und wir w\u00fcrden unseren tl\u00f6nschen Geist verraten, wenn wir nicht auch lachen w\u00fcrden, Arno Schmidt wird \u00fcber den Mond sprechen, Basho zeigt seine gro\u00dfartige Kunst des Haiku, Flora und Fauna von Tl\u00f6n werden in Wort und Bild dargestellt, von gro\u00dfen Frauen und M\u00e4nnern und ihren Taten und Gedanken werden wir sprechen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fahrnerandfahrner.com\/htfeed\/zweiteencyT.html\">visuals<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<a href=\"http:\/\/www.fahrnerandfahrner.com\/?page_id=27\"><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/www.fahrnerandfahrner.com\/wp-content\/plugins\/thumbnail-for-excerpts\/tfe_no_thumb.png\" class=\"alignleft wp-post-image tfe\" alt=\"\" title=\"\" \/><\/a><p>Wenn unsere Prognosen nicht irren, wird in hundert Jahren\u00a0jemand die hundert B\u00e4nde der Zweiten Enzyklop\u00e4die von Tl\u00f6n entdecken&#8221; Mit dieser so geheimnisvollen Prognose im Nachtrag zu seiner Erz\u00e4hlung Uqbar, Orbis Tertius aus dem Jahr 1947 hat Jorge Luis Borges die Buchk\u00fcnstlerin Barbara Fahrner inspiriert, ihre Lesart des angek\u00fcndigten Sammelwerks jetzt schon zu verwirklichen. 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